Pudie®
20.01.2023, 19:06

+56LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Hi,
Aufgrund immer wieder aufkommender Diskussionen und wilder Spekulationen meine Erfahrungen (und Zahlen) als "Scalper" und "Reseller".


Der Kauf und Verkauf neuer LEGO-Sets aus Gewinnabsicht

-Finanzamt
Ich kann aus Erfahrung berichten, daß der Verkauf von neuen LEGO-Sets auf den bekannten Plattformen früher oder später dem Finanzamt auffallen (oder gemeldet) wird.
Und wenn es erst mal soweit ist, kann es sehr sehr teuer werden.
Entweder kommen hohe Steuernachforderungen oder man muß in einen guten Steuer-Rechtsanwalt und eine gute Steuerberatung ähnliche Summen investieren. (In meinem Fall ca. 6000,- Euro)
Im schlimmsten Fall beides.
Das Finanzamt wird Eure gesamten Verkaufserlöse der letzten Jahre zunächst mal als Reingewinn unterstellen. Eure Einkaufskosten müßt Ihr dann nachweisen.
Die Verkaufsplattformen heben die Daten Jahrelang auf.
Es wird zu einer Steuernachforderung und einem Steuerstrafverfahren kommen.

Die Entscheidung, ob es nun Gewinnabsicht oder ein reines "Auflösen" einer Sammlung ist, trifft auf jeden Fall nicht der Verkäufer.
Bei hunderten Verkäufen von Neuware über mehrere Jahre stellt sich die Frage auch nicht mehr.

Durch die neue Gesetzgebung sind seit diesem Jahr die verschiedenen Verkaufsplattformen verpflichtet, ab einer gewissen Anzahl an Verkäufen (30) oder einem gewissen Umsatz (2000,- €) eine Meldung an die Finanzämter zu machen.

Über einen längeren Zeitraum und in größerer Anzahl Neuware im Internet zu verkaufen, ohne dies ordnungsgemäß dem Finanzamt zu melden, wird auf jeden Fall irgendwann zum Schuß in's eigene Knie.


-Eigene Erfahrungen als Reseller / Zahlen
Jetzt, hier und heute lasse ich mal die Hosen runter bzw. lege ich auch noch Zahlen auf den Tisch, was sich ja so einige Leute hier wünschen.
(Die Zahlen kennt auch mein Finanzamt, macht Euch also keine Sorgen um unseren Staat )

-Verkaufte neue Artikel bei Ebay im Jahr 2021 (Alles LEGO, alles "Sofortkauf"): 119
-EK-Preise der Sets: € 6.385,38
-Gewinn nach Abzug der Ebay- und Paypal-Gebühren : € 1.748,81
-Einkaufs- bzw. Erscheinungsjahre der Sets: 2013 - 2018
-Geschätzter zeitlicher Aufwand pro Set (Einkauf, Einlagern, Katalogisieren, Markt beobachten, als "Verkaufsreif" identifizieren, Fotografieren, bei Ebay einstellen, Fragen beantworten, Zahlung kontrollieren, Paketmarke kaufen und ausdrucken, Verpacken, zur Packstation bringen, Dokumentation fürs Finanzamt) 45 min

Das entspricht einem Zeitaufwand von knapp 90 Stunden und einem Stundenlohn von rund 19,60 Euro vor Steuern. (Den Steuersatz habe ich gerade nicht zur Hand)
Hier reden wir noch nicht von Sozial- oder sonstigen Versicherungen. Die habe ich durch meinen regulären Job !

Gerade der Zeitaufwand wird im allgemeinen völligst unterschätzt !
Man macht nicht mal eben mit einen Fingerschnipp aus 100,-€ das doppelte oder dreifache und das noch in's unendliche hochskaliert.
Aber egal, ist ja "Hobby" ...


Nicht gerechnet:
-Ärger und Aufwand mit "defekten" Lieferungen von LEGO, Amazon und etlichen anderen.
-Verpackungsmaterial (Druckerpapier und Tinte, Folientüten, Kartons, Füllung und Klebeband, manches aber nicht gekauft, sondern recycelt).
-Lager- und Verpackungsplatz im Keller.
-Internet- und Hardwarekosten.
-Fahrt- und Parkhauskosten für den Einkauf im Store (Frankfurt, 20 Km) und die Fahrten zur Packstation (4Km).
-Inflationsverlust.

Wirklich guten Gewinn brachten übrigens vor allem Sets wie das Detektivbüro 10246, die Brickbank 10251 und die alte Anglerhütte 21310. Das meiste hätte ohne Einkaufsrabatte von ca. 30% oder netten GWPs nur Verlust gebracht.
Meine Reklamationsrate bei den Käufern wardabei Null Prozent. Im Schnitt hatte ich fünf von fünf Punkten bei den Bewertungen für die Artikelbeschreibung, Geschwindigkeit und Kommunikation. Mit einigen Käufern habe ich auch heute noch netten Mailverkehr.

Ich persönlich sehe den Verkauf aber auch als Zeitvertreib und Spaß.
Außerdem bilde ich mir eine gewisse Expertise bei den Ansprüchen der Käufer und LEGO-Sets und ihrer Geschichte ein.

-Fazit (und Meinung):
Manche Medien bringen LEGO als Investitionsobjekt gerne mal als Sommerpausenfüller. Nur weil sehr wenige Sets der letzten Jahre ihren "Wert" um 300 - 400% gesteigert haben. Das ist aber genauso die Ausnahme, wie ein Lottogewinn.
Im Jahr 2010 kamen nur sehr wenige Leute auf die Idee, die damals normal erhältlichen Sets einzulagern, um sie mit Gewinn weiter zu verkaufen. Davor schon gar nicht.
Heute machen das subjektiv wahrgenommen Zehntausende. Damit steigt das Angebot, aber nicht unbedingt die Nachfrage.

Sucht mal bei eBay nach verkauften neuen Exemplaren des braunen Krokodils 10277 oder der Barracuda Bay 21322 (Beides schon seit geraumer Zeit EOL), zieht von den Preisen die 11% Provision ab, stellt Euch jetzt vor, ihr hättet je 10 Exemplare gekauft und eingelagert und rechnet zum Schluß noch die Inflation der letzten beiden Jahre mit ein.

Dazu kommt noch die extreme Schwemme an hochpreisigen Sets von LEGO der letzen paar Jahre. Hier das Set zu identifizieren, welches in den nächsten paar Jahren lohnend im Wert steigt, ist nahezu unmöglich.
Die Verpackungen erreichen dabei auch noch Gewichte und Größen, die fast schon Hubfahrzeuge erfordern. Schleppt mal die Titanic-Box eine enge Kellertreppe hinunter ....
.....und verpackt und versendet das Ding dann fünf Jahre später mal mit der DHL.

LEGO als Investment mag für den Hobbyhändler für ein paar Hundert Euro im Jahr gut sein, taugt aber nicht, um eine Familie mit zwei Kindern, Hund und Katze zu ernähren.
Und ein paar Hundert Euro sind ja auch noch legitim (Meines Wissens bis zu 600,-€ /Jahr).

Die erzielten Gewinne (Immerhin keine Verluste) rechtfertigen kaum den nötigen Aufwand und die Investitionen.
Salopp gesagt: Als Minijob Regale bei Aldi einräumen bringt mehr Verdienst mit weniger Risiko, Platz- und Zeitaufwand.

Ein "echter" Investor würde solche Zahlen nicht mal als Rundungsfehler bemerken.
Welches Lager und welche Lieferanten müßte man haben, um in Zahlenbereiche Hunderttausende oder Millionen von Euro zu kommen ?
Was, wenn es dann zu einem Einbruch, Hochwasser oder Feuer kommt ?


Meine Meinung, die ich gerne zur Diskussion stelle.
Sie soll kein Gejammer, sondern eine objektive Bilanz sein.
Mit der Bitte um respektvollen Umgang und seriösen Meinungen/Kommentaren

Gruß
Frank



Thomas52xxx , jup , Thekla , friccius , Ralf , Legomichel , Brixe , Seeteddy , StumblingBricks , IngoAlthoefer , dino , cubo , Daniel , ceram , MARPSCH , itz , andis_brick_cave , Holodoc , legomadly88 , operator , Erpelmutz , Dirk1313 , heinz , Legoviller , nvneuss , Plastik , Ben® , Larsvader , tobb , vada , Saori , homoludens , 5N00P1 , Garbage Collector , voxel , doe , Valarian , Andi , Popider , Legoben4559 , Legobecker , westzipfler , paladin77 , Rico , Henriette , boettch2 , HerosDA , ThomaS , freakwave , webster , Yarano , bp10030 , Denk Mal , JuL , Tagl , childofhell gefällt das (56 Mitglieder)


IngoAlthoefer
21.01.2023, 16:23

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

+1Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Hallo Frank,

vielen Dank für Deinen sehr offenen, informativen
und hilfreichen Beitrag. Ich habe ihn direkt gesichert,
um ihn bei Gelegenheiten (die kommen werden) schnell
für mich parat zu haben.

Auch ich verkaufe gelegentlich Dinge bei Ebay (vorwiegend
kein LEGO) und habe gemerkt, dass sich die Plattform für
Verkäufer verschlechtert hat, und damit meine ich nicht
die Finanzamtsregeln.

In der letzten Woche habe ich zwei Artikel für zusammen
98 Euro (inclusive Versand) verkauft. Von der Summe zog
Ebay mehr als 11,50 Euro an Gebühren ab. Kleinverkäufe
lohnen sich praktisch gar nicht mehr.

Ich weiß nicht, ob Ebay in der Zukunft schrumpfen oder
wachsen wird. Ich sehe es nur so, dass es früher besser war.

Ingo.

PS. Bitte lass mich mit PN wissen, wenn Du den Beitrag nicht
im Thread haben willst. Dann lösche ich direkt.


My notebook is open!


mcmike82 gefällt das


dixip
22.01.2023, 10:56

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

+2Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Danke für den Text. Es gibt ja meist nur die Lego-Investoren und die, die mit dem Kopf schütteln. Aber ein "Investor", der das Ganze so selbstkritisch betrachtet und offen beschreibt, ist ja doch selten.
Ich gehöre zu den Kopfschüttlern, auch wenn ich gerade im letzten Winter noch mal Sets für knapp 1500€ Erlös verkauft habe (neu + gebraucht). Das war noch aussortieren von Sets aus "falschen" Themenwelten, die ich beim Lego-Einstieg einfach mitgekauft habe (zuletzt halt die Herr der Ringe/Hobbit-Sets) und Sets, die zu schade zum aufmachen/als Teilespender sind (Creator Expert Winter Village) - "zu schade" heißt natürlich: zu wertvoll.


Pudie® hat geschrieben:

Durch die neue Gesetzgebung sind seit diesem Jahr die verschiedenen Verkaufsplattformen verpflichtet, ab einer gewissen Anzahl an Verkäufen (30) oder einem gewissen Umsatz (2000,- €) eine Meldung an die Finanzämter zu machen.


Das hat ja für Panik gesorgt, auch wenn an der Gesetzeslage für die eigenen Pflichten sich ja nichts ändert. Aber die sehr aktiven "Scalper" sind ja doch eher eine Landplage, wenn es um neue seltene Sachen geht (Playstation 5, Lego GWPs, ....), von daher darf der Staat gerne draufschauen, dass diese "Übergewinne" zumindest noch z.T. bei der Gesellschaft ankommen.


Pudie® hat geschrieben:
Wirklich guten Gewinn brachten übrigens vor allem Sets wie das Detektivbüro 10246, die Brickbank 10251 und die alte Anglerhütte 21310. Das meiste hätte ohne Einkaufsrabatte von ca. 30% oder netten GWPs nur Verlust gebracht.


Pudie® hat geschrieben:

Manche Medien bringen LEGO als Investitionsobjekt gerne mal als Sommerpausenfüller. Nur weil sehr wenige Sets der letzten Jahre ihren "Wert" um 300 - 400% gesteigert haben. ......
Heute machen das subjektiv wahrgenommen Zehntausende. Damit steigt das Angebot, aber nicht unbedingt die Nachfrage.


Es gilt ja immer noch bei Investitionsgelegenheiten, dass wenn alle drüber reden, man zu spät dran ist. Wenn heute alle über Lego-Investments reden, werden als Positivbeispiele ja immer Sets genannt, die aus der Zeit stammen, wo Lego-Investments noch ein absolutes Nischenthema waren.

Natürlich gehen EOL-Sets immer noch nach oben, weil der Mainstream von einem 300€ Set ja noch die 2000€-Verkaufserlös erwartet (zumal andere Investments in letzter Zeit ja auch schwierig waren -> max. 0% Zinsen, Aktien im Minus, Imnmoblien zu teuer....). Aber wenn man alle Keller mit Lego gefüllt sind, kommt das große Problem: Unendlich viel Angebot trifft auf welche Nachfrage? Lego tut viel dafür, dass jegliche Lego-Nachfrage vom Lego-Sortimentsangebot bei weitem übererfüllt wird - oder kommt noch jemand nach mit seinen Einkaufswünschen?
Dazu die Drittanbieter mit steigender Qualität und steigendem Angebot.
Ich weiß nicht, wer da noch ernsthaft z.B. 500€ für ein altes, neues Modular-Haus ausgeben soll, wenn er parallel 3 Häuser von Lego für 200-300€ und dutzende Häuser von Drittanbietern für 100-200€ zur Auswahl hat.

Ich denke, die Blase wird platzen (je nach Rezessionsschärfe und Verkaufsdruck vielleicht schon dieses Jahr). Viele werden froh sein, wenn sie in etwa ihre Ausgaben gedeckt bekommen.



Pudie® , 5N00P1 gefällt das


Carrera124
22.01.2023, 12:12

Als Antwort auf den Beitrag von dixip

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

dixip hat geschrieben:

D
Ich weiß nicht, wer da noch ernsthaft z.B. 500€ für ein altes, neues Modular-Haus ausgeben soll, wenn er parallel 3 Häuser von Lego für 200-300€ und dutzende Häuser von Drittanbietern für 100-200€ zur Auswahl hat.

Z.B. jemand, der die Serie der Modular-Häuser sammelt, aber verspätet damit begonnen hat.
Wenn in der Sammlung ein paar der ersten Modular-Häuser fehlen, dann bringt demjenigen die Verfügbarkeit anderer Häuser exakt rein gar nichts.


Grüße an meinen Stalker


5N00P1
22.01.2023, 18:04

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

+1Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Pudie® hat geschrieben:

Hi,
Aufgrund immer wieder aufkommender Diskussionen und wilder Spekulationen meine Erfahrungen (und Zahlen) als "Scalper" und "Reseller".


Vielen Dank für diesen tollen und ehrlichen Beitrag!
Dazu kommen ja ggf noch Lagerkosten, wenn man nur eine Wohnung mit wenig Platz hat und da stellt sich dann ganz schnell die Frage was der Lagerplatz kostet.
Auch, wenn ich 20.000 EUR investieren will, wie viel Kubikmeter sind das? Und wie du schon geschrieben hast der Weg zur Post (& Zeit) muss ja auch mit eingerechnet werden.

Mein Fazit daraus, kaufe nur was du selbst haben willst, sonst macht das alles keinen Sinn, bzw. es lohnt sich kaum.



goldfing gefällt das


Micha2
22.01.2023, 19:43

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

Editiert von
Micha2
22.01.2023, 19:44

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Mir scheint das Ganze viel zu negativ und unlukrativ und im Sinne der "das tut man nicht Idealisten" dargestellt. Oder Du hattest "schlechte" Sets (z.B. City).
Grund:

Du hast Deine Investition von 6.400 auf 8.100 "erhöht", also ca. 9.000 mit Gebühren. Nur mal so überschlägig.
D.h. Du hattest eine Wertsteigerung um 40%.

Das erscheint mir sehr wenig. Zur Begründung hier ein gar nicht exotisches Gegenbeispiel:

Nahezu alle Technic-Sets (andere natürlich auch, aber nur für das Beispiel) bekommt man zu etwa 35% oder auch mehr unter Listenpreis.
Nehme ich nun als Beispiel den vor 2 (?) Jahren EOL gegangenen Autotransporter 42098, dann hatte der einen UVP von 150 und somit einen Straßenpreis von ca. 95 Euro.
Aktuell gehen die Sets für etwa 160 Euro weg. Das ist eine Wertsteigerung von immerhin 68% innerhalb von 2-3 Jahren und mit jedem Technic-Set ab dem mittleren Preissegment (UVP 100) zu erreichen. Würde man noch etwas abwarten wäre meine Vermutung, dass in 2 Jahren dafür wohl um die 200 gezahlt werden, somit eine Wertsteigerung um 110% in 4-5 Jahren. Völlig normal, nicht exotisch und für jeden realisierbar. Nehmt Euch einfach mal ein paar Beispiele von Allerweltssets heraus und rechnet selbst nach.

Ich selbst habe mir den Transporter für 87 Euro zum Aufbauen gekauft und ihn kürzlich (geöffnet, gebaut) gebraucht für 105 verkauft. Sogar das war eine (unerwartete) Wertsteigerung von 20% in 2 Jahren.

Fazit:
Ja, man braucht Platz.
Ja, man muss sicherlich Rennerei, Paketband etc. einrechnen sowie mit Ärger mit irgendwelchen Käufern rechnen, aus welchen Gründen auch immer.
Aber: Von nix kommt nix. Und die andere "Geldanlage", die innerhalb von wenigen Jahren risikolos so viel einbringt (selbst wenn man dies in größerem Stile macht und somit alles korrekt versteuert etc.), die möchte ich sehen.
Ja, das Angebot an solchen Sets ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, weil offensichtlich viele auf den Zug aufspringen.
Aber von einer "platzenden Blase" (gar noch in diesem Jahr) wie in diesem Thread auch formuliert kann ich ehrlich gesagt nichts erkennen. Da scheinen mir eher der Wunsch und die Missgunst denen gegenüber, die den Aufwand nicht scheuen und dadurch etwas verdienen, im Vordergrund zu stehen.



Pudie®
23.01.2023, 10:16

Als Antwort auf den Beitrag von Micha2

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Micha2 hat geschrieben:

Mir scheint das Ganze viel zu negativ und unlukrativ und im Sinne der "das tut man nicht Idealisten" dargestellt. Oder Du hattest "schlechte" Sets (z.B. City).


Erst mal Danke für den objektiven Beitrag.
Mit den "schlechten Sets" hast Du wohl den Nagel auf dem Kopf getroffen.

Ich hatte Sets aus vielen Bereichen (Star Wars, City, Creator Expert/18+, Jurassic World, Harry Potter, Ideas).
Eigentlich kaum ein Set mehr als ein bis 2 mal. und viele kleine Sets.
Was natürlich den Aufwand beim Verkauf extrem erhöht.
Wenn man ein Set mehrfach verkauft, muß man es ja einfach nur unverändert (Mit Fotos und Text) wieder einstellen. Sind 2 Klicks.

Rückblickend betrachtet:
Nicht alle Sets hatte ich zum Zweck des Wiederverkaufs erworben. Und mit Sicherheit nicht immer zum besten Preis.
Technic ist nicht mein Fachgebiet. Da kenne ich mich einfach nicht mit den Preisen aus. Aber auch hier gibt es Ausreißer in allen Richtungen, also auch Flops.
Und die Entscheidung, welches Set denn nun in zwei bis drei Jahren eine gute Wertsteigerung erfährt. muß man ja zum Zeitpunkt des Kaufs anhand der Erfahrungen der vergangenen Jahre treffen.

Ich nehme mal als Beispiel die Harry Potter Welle seit 2018:
Erfahrungsgemäß hatten die Sets aus den vorangegangenen Wellen eine sehr gute Wersteigerung.
Die 2018er Welle, selbst mit Rabatten von 30%, ist bisher für Reseller eher ein Flop.

Hätte ich mir in dem Jahr 20 x den Technic-Porsche 42056 zugelegt, wäre ich heute der König ....
Den hat man locker um 200,-€ bekommen, war aber sehr unbeliebt und unter anderem vom Frankfurter Helden schlechtgeredet.

Im Nachhinein ist man immer schlauer :-)



Venom84
23.01.2023, 15:25

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

Editiert von
Venom84
23.01.2023, 15:26

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Ich glaube dass die Wertsteigerung der guten Sets aus vor ca. 2020 ganz ordentlich wird, für alles danach wirds meist schwer mit großem Gewinn. Der Grund: Die Preise der neueren Sets sind einfach zu hoch, selbst für "hardcore" Sammler (z.B. Roller Coaster, Leuchtturm etc.). Ein Creator Mustang wird immer mehr Potential als der aktuelle Creator Camaro haben - Einfach ein viel besserer EK und auch noch das deutlich bessere Modell.

Noch kurz zum Finanzamt: Bei Ebay mit Kauf über Paypal, Gebühren usw. alles klar, aber bei Ebay Kleinanzeigen steht seit Neuestem einfach "Löschen" beim Inserat - Wie soll da ein Verkauf nachgewiesen werden?



Falk
24.01.2023, 18:34

Als Antwort auf den Beitrag von dixip

+2Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

dixip hat geschrieben:

..., von daher darf der Staat gerne draufschauen, dass diese "Übergewinne" zumindest noch z.T. bei der Gesellschaft ankommen.

Der Staat darf gerne erstmal damit anfangen, darauf zu achten, dass Unternehmen wie Amazon hier in Deutschland den vollen Steuersatz zahlen, den Tante Emma für ihren Laden auch abdrücken muss. Danach können die bei den ganzen "privaten" Chinesen und Polen auf eBay weiter machen. Im Vergleich ist der Papierkram wegen der paar LEGO Sets doch reine Zeitverschwendung.

Wird noch schöner, wenn man weiß, wofür die Gelder dann verbraten werden. Hab hier so nen Fall wohnen, bei dem "Freie Energie bis 2025" am Zähler steht. In weniger als 9,5 Monaten hat der alleine (!) bis jetzt fast 3000 kWh Strom und 550 m² Gas verballert. Grob überschlagen sind das in weniger als 10 Monaten fast 2000€. Da kommt mir die Galle hoch.

-Falk



Holodoc , Frederbrick gefällt das


Falk
24.01.2023, 20:51

Als Antwort auf den Beitrag von Venom84

Editiert von
Falk
24.01.2023, 20:52

+1Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Venom84 hat geschrieben:

... bei Ebay Kleinanzeigen steht seit Neuestem einfach "Löschen" beim Inserat - Wie soll da ein Verkauf nachgewiesen werden?

Das mit dem endgültigen "Löschen" funktioniert nur bei SMS, eMail oder im Gehirn diverser Politiker. Bei allen Anderen gilt: Das Internet vergisst nicht.

Flintenuschi_mit_Handy.jpg



Ferdinand gefällt das


facko
24.01.2023, 21:12

Als Antwort auf den Beitrag von

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Ich bin zufällig auf diesen Thread gestoßen und finde es hochinteressant, was ihr schreibt. Persönlich beschäftige ich mich seit wenigen Monaten mit dem Thema LEGO als Investment und versuche mich zur Zeit selber hier und da an einigen Sets. Zufälligerweise bin ich die Tage auf eine recht interessante Veröffentlichung gestoßen und habe mir diese schließlich gekauft. Der Author des Buchs (LEGO Almanac - Investieren in LEGO Sets) beschreibt sehr ausführlich die Komplexität des LEGO Investments. Glaubt man dem Buch (und schließlich dem Autor) hat er ziemlich viel Vertrauen in diese Art des Investierens. Das ganze wird ziemlich eindrucksvoll mit jeder Menge Grafiken und Tabellen untermauert, wobei er sogar sein persönliches LEGO Portfolio (so nennt er es) detailliert vorstellt. Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Buch, aber die Einsichten in das Thema sind ungemein spannend und beeindruckend. Diese gehen weit über die Standard-Sommerpausenfüller-Berichte hinaus. Das Thema muss und kann man viel größer Denken, als man (hier) und im Allgemeinen liest. Schlussendlich tut das der Autor, in dem er sein LEGO Portfolio als eine Art (ETF) Sparplan sieht. Wobei ich gestehen muss, dass ich erwartet habe, dass das Buch LEGO als das ultimative Investment vorstellt. So ist es irgendwie gar nicht. Gerade neue Investoren, die wie Pilze aus dem Boden wachsen, dämpfen die Renditeerwartungen sehr. Ich werde deshalb nur einen überschaubaren Betrag meines Kapitals in LEGO "investieren". Irgendwie erscheint mir diese Form der Geldanlage schöner, als stupide Aktienpapiere zu kaufen hehe.



Micha2
27.01.2023, 09:29

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

Editiert von
Micha2
27.01.2023, 10:28

+1Re: LEGO als Investment

Hallo Ben,

ich weiß nicht, was Du mir mit Deiner Antwort auf mein Posting sagen möchtest, aber einen "Austausch der überspitzten Argumente" kann ich nirgends sehen.

Und m.M.n. liegt auch keine Wahrheit "in der Mitte", denn das, was ich beispielhaft hier beschrieben habe, ist ja keine Spekulation, sondern bereits eingetreten. Somit liegt die Wahrheit genau da.

Und nachdem Du es mir neulich schon vorgeworfen hast (nur weil ich eine andere Auffassung von "Kunst" habe als Du) stelle ich nun die Gegenfrage: Trollst Du gerade ein wenig herum?



Carrera124 gefällt das


Ben®
27.01.2023, 10:54

Als Antwort auf den Beitrag von Micha2

+2Re: LEGO als Investment (Mit Investment-Tip; konkreten Beispielen und abermals viel Text)

Micha2 hat geschrieben:

Hallo Ben,

ich weiß nicht, was Du mir mit Deiner Antwort auf mein Posting sagen möchtest, aber einen "Austausch der überspitzten Argumente" kann ich nirgends sehen.

Und nachdem Du es mir neulich schon vorgeworfen hast, nur weil ich eine andere Auffassung von Kunst habe als Du, stelle ich nun die Gegenfrage: Trollst Du gerade ein wenig herum?



Hallo Micha,

es tut mir leid, Dich neulich bei der Kunstdiskussion relativ grob angegangen zu sein. Da hast Du einen wunden Nerv bei mir erwischt. Sorry. Ich hoffe, wir können das als abgehakt betrachten - auch wenn es bei sehr unterschiedlichen Meinungen zum Offtopic-Thema bleibt.

Hier wollte ich keineswegs trollen. Ich sah Deine Meinung in diesem Fall trotzdem als (relativ) extrem. Frank hatte sehr ausgewogen über seine Erfahrungen als Klein-Investor berichtet. Und Du hast mehrfach betont, dass man bei Allerwelts-Technik-Sets viel mehr erwarten kann. Und Du stellst Rechnungen auf, bei denen Du davon ausgehend mögliche Gewinne aufzeigst. Risiken und Aufwand hast Du aber weitgehend ausgeblendet. Daher wurde Dir ja auch widersprochen, bzw Dir ironisch ein Gewinnsplit vorgeschlagen, der mich amüsierte und dazu anregte den Faden weiterzuspinnen.

Meiner Meinung nach, muss ich eben unter anderem meinen Zeitaufwand in Rechnung stellen, sobald ich ein Set als Investment geplant kaufe. Online-Kauf ist schnell erledigt. Aber beim Verkauf sind eben E-Mails, Zustandsbeschreibung, Verpackung, Gebühren, Konto beobachten, zur Postfiliale Fahren und all das erforderlich. Und wenn es im Schnitt 30...60 Minuten je Transaktion werden (ich glaube ich brauche sogar viel länger als das), dann minimiert es die Gewinnerwartungen erheblich. Dann sind auch 50% Preissprung bei einem 50-Eur Set noch ein Minusgeschäft, bzw ein Lohn, den ich anderswo ggf. viel einfach einstreichen kann, bzw an dem ich kein Interesse habe, weil mir persönlich Geldgewinn wenig bringt, aber Zeitverlust weh tut.

Für mich kommt ddieser Aufwand nur noch in Frage, wenn ich ein Set eigentlich für mich wollte, aber es sich dann doch anders ergibt. Wenn also mein Sammlungsfokus sich verschiebt oder ich keine Zeit zum Ver-Moccen finde oder die Gier beim Rabattkauf doch zum Fehlkauf animierte.
Aber das darf ja jeder - im Rahmen der Gesetze - handhaben wie er will. Ich teile nur nicht Deine Einschätzung, dass Frank hier unrealistisch niedrige Gewinne erzielt hat, obwohl mich auch wunderte wie gering seine Marge war.

Beste Grüße,

Ben


[image]



mehr Bilder gibt's hier:

[image]


"blay s....!" - Aber China Klone (puke!) sind noch viel schlimmer...


5N00P1 , Navigation gefällt das


Micha2
27.01.2023, 13:25

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

Editiert von
Micha2
27.01.2023, 13:34

Re: LEGO als Investment (Mit abermals viel Text)

Hallo Ben,

Ben® hat geschrieben:

Ich hoffe, wir können das als abgehakt betrachten

Können wir.

Ben® hat geschrieben:
Ich sah Deine Meinung in diesem Fall trotzdem als (relativ) extrem. Frank hatte sehr ausgewogen über seine Erfahrungen als Klein-Investor berichtet. Und Du hast mehrfach betont, dass man bei Allerwelts-Technik-Sets viel mehr erwarten kann. Und Du stellst Rechnungen auf, bei denen Du davon ausgehend mögliche Gewinne aufzeigst. Risiken und Aufwand hast Du aber weitgehend ausgeblendet.

Ich finde meine Meinung eigentlich nicht extrem, weil das, was ich beschreibe, ja Realität ist (und nicht etwa Vermutung).
Franks Erfahrungen stelle ich auch gar nicht in Frage - wie auch? Es sind ja seine Erfahrungen, die ebenso Realität sind.
Alles, was ich in Frage stellte, war seine auf mich sehr generell wirkende Aussage, dass der zu erwartende Gewinn vergleichsweise bescheiden sei. Dies mag auf seine konkrete Setauswahl zutreffen (er schrieb ja selbst, dass da auch Sets dabei waren, die nicht mit Gewinnerzielungsabsicht heraus gekauft wurden), aber wenn man eine Gewinnerzielungsabsicht hat würde man ja vielleicht auch andere Sets kaufen. Und genau darum ging es ja in diesem Thread: Um Lego als Investment (und nicht als zufälliges Verkaufsobjekt). Dies wollte ich mit meinen Postings und den konkreten Beispielzahlen (die aber nicht Spekulation, sondern Tatsache sind) rüberbringen.

Den Aufwand blende ich dabei keineswegs aus:
- ich habe den Platzbedarf erwähnt
- ich den Prozess des Fotografierens, Einstellens und Versendens erwähnt. Wobei ich hierzu sagen möchte, dass ich das kaum als Aufwand sehe. Fotografiert ist ruckzuck, Verpacken entfällt, denn das Set kommt ja verpackt - man bewahrt es einfach so auf (wenn man ein Set mehrfach bestellt, dann bestellt man halt nicht 1x 3 Sets, sondern in 3 separaten Bestellungen jeweils 1 Set), und bei der Post kommt man doch auch immer mal vorbei. OK - frankieren und bissl kommunizieren muss man noch. Das Konto checke zumindest ich ohnehin regelmäßig und falls man per Paypal Geld erhält muss man gar nix checken, weil man ja ne Nachricht bekommt.
- es ist klar, dass man eventuell auch Ärger mit "komischen" Käufern haben kann

Das Risiko...nun ja...das blende ich teilweise aus. Man hat es natürlich, wenn man "irgendein" Set kauft. Das kann der große Wurf werden, oder halt eine Niete sein.
Aber genau wie bei allem anderem im Leben sind Extreme auch hier vermutlich nicht so gut, ein solides Mittelmaß ist vielleicht ein guter Weg. Und das sind m.E. die von mir herangezogenen mittelpreisigen Technicsets. Schau einfach mal nach - die gehen nie super ab, aber sie bewegen sich quasi immer im von mir genannten Range. Vermutlich gilt das auch für andere Produktreihen, aber ich selbst baue nun mal vorzugsweise Technic, weswegen ich hier bessere Kenntnisse habe. Somit dürfte das Risiko m.M.n. hier sehr begrenzt sein, weswegen ich darauf auch nicht wirklich eingehe.

Ben® hat geschrieben:
Daher wurde Dir ja auch widersprochen, bzw Dir ironisch ein Gewinnsplit vorgeschlagen

Ah, es sollte ironisch sein? My bad - das hab ich nicht kapiert. Ich fand es schlicht dümmlich.

Ben® hat geschrieben:
Meiner Meinung nach, muss ich eben unter anderem meinen Zeitaufwand in Rechnung stellen, sobald ich ein Set als Investment geplant kaufe. Online-Kauf ist schnell erledigt. Aber beim Verkauf sind eben E-Mails, Zustandsbeschreibung, Verpackung, Gebühren, Konto beobachten, zur Postfiliale Fahren und all das erforderlich. Und wenn es im Schnitt 30...60 Minuten je Transaktion werden

Also, ich würde mal schätzen, dass beim in einem anderen Post von mir erwähnten Gebrauchtverkauf des Autotransporters der Aufwand < 30 Minuten war. Und das, obwohl die Zustandsbeschreibung und ggf. das Verpacken bei einem gebrauchten Set deutlich aufwändiger sind als bei einem neuen Set. Und außerdem hätte man bei einem im größeren Stile betriebenen Investment ja sicherlich Skaleneffekte - wenn Du 5x das gleiche Set kaufst, dann fotografierst und beschreibst Du es ja nicht 5x, und Du stellst es auch nicht mehrfach ein, sondern nur 1x und verwendest Foto und Beschreibung immer wieder. Also - so würde zumindest ich das machen
Und möglicherweise hat man ja auch mehrere Verkäufe "gleichzeitig", so dass man mit einem Post-Gang gleich mehrere Sets versenden kann.
Im Grunde scheint mir der durchschnittliche Aufwand immer mehr abzunehmen, je größer man das "Investment" aufzieht. Vielleicht sollte ich über den dümmlichen Vorschlag doch nochmal nachdenken - allerdings müsste der Gewinnsplit etwas anders sein

Ben® hat geschrieben:
dass Frank hier unrealistisch niedrige Gewinne erzielt hat, obwohl mich auch wunderte wie gering seine Marge war.

Nun, ich gehe davon aus, dass er die Gewinne erzielt hat, die er mit seinen Sets halt erzielen konnte. Ich möchte auch keinesfalls sagen, dass er sich "blöd angestellt" hätte oder dergleichen. Niemals.
Aber wie oben bereits ausgeführt waren seine Sets wohl eher eine Zufallszusammenstellung und gar nicht oder nicht durchgehend auf Gewinn ausgerichtet. Und selbst mit dieser Zusammenstellung hat er einen dafür doch recht ordentlichen Gewinn erzielt, wie ich finde.


Aber, sei's drum. Mir ist das ja egal und es ging mir nur darum, der Lego-mit-Gewinnerzielungsabsicht-kaufen-bringt-nichts-Attitüde mal eine andere Sicht entgegen zu setzen. Ich sehe diese durch meine Beobachtungen gedeckt, und auch andere scheinen diese Meinung zu teilen (entsprechende Kommentare in Finanzmagazinen). Möglicherweise bin ich aber auch zu blauäugig, was für mich persönlich aber egal ist, da ich das ja eh nicht betreibe, und für andere hier auch, weil sie es ja entweder als nicht lukrativ erachten und/oder ganz generell "doof" finden, sowas zu tun.
5N00P1 kann aber gerne mal seine 100.000 rüber schieben. ich überlege dann mal, was ich damit anfangen könnte :-)

Grüße zurück
Micha



Manni2
27.01.2023, 16:29

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Hallo zusammen,

ich vermute mal, dass viele das günstige Ein- und teure Verkaufen von LEGO-Sets nicht nur als lukrative Einnahmequelle, sondern auch als spannendes Hobby bzw. als eine Art Sport betrachten. Und bei einem Hobby wäre natürlich die Frage zu stellen, inwieweit der Zeitaufwand überhaupt eingerechnet werden darf, wenn es um die Frage der Lukrativität geht.

Man könnte es ja sogar so betrachten, dass andere viel Geld für ein Hobby ausgeben und hier sogar etwas - oder sogar sehr viel Geld - herausspringt.

Wer es also hobbymäßig betreibt, genug Zeit und auch den nötigen Platz auf dem Speicher hat (der sonst von irgendwelchem Gerümpel eingenommen würde), hat sicher andere Voraussetzungen als jemand, der versucht, das Ganze gewerblich zu betreiben - und nicht nur als Kleingewerbe nebenher.

Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass man als Gewerbetreibender mit reiner Gewinnabsicht ohne jegliches Herzblut für LEGO in diesem Bereich auf Dauer Erfolg haben kann. Man muss schon die Bereitschaft haben, sich sehr intensiv und über das übliche Maß hinaus mit dem Thema auseinanderzusetzen, z.B. ständig über günstige Angebote informiert zu sein. Zudem dürften Dinge wie Jagdinstinkt, Spieltrieb, Risikobereitschaft und die „Kicks“ durch gelungene Verkäufe als Triebfeder eine Rolle spielen.

Jeder Reseller müsste sich daher erstmal die Frage stellen, wie das eben gesagte bei ihm persönlich aussieht, bevor er für sich die Frage beantworten kann, ob es für ihn selbst lukrativ ist oder nicht.

Und letztlich gilt wie bei jedem Spiel: Man muss aufs richtige Pferd setzen. Würde jemand z.B. - nur als Beispiel - ausschließlich auf City-Sets setzt, könnte er es mE gleich vergessen.

Beste Grüße,

Manni



Manni2
27.01.2023, 16:46

Als Antwort auf den Beitrag von Falk

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Falk hat geschrieben:

dixip hat geschrieben:
..., von daher darf der Staat gerne draufschauen, dass diese "Übergewinne" zumindest noch z.T. bei der Gesellschaft ankommen.

Der Staat darf gerne erstmal damit anfangen, darauf zu achten, dass Unternehmen wie Amazon hier in Deutschland den vollen Steuersatz zahlen, den Tante Emma für ihren Laden auch abdrücken muss.

Genau so sieht es aus.

Bei dem neuen Gesetz handelt es sich ja um die Umsetzung einer EU-Richtlinie.

Genauso könnte die EU ja auch großen Unternehmen Druck machen, endlich angemessene Steuern zu zahlen. Das würde aber sicher am Veto von Ländern wie Irland oder den Niederlanden, die große Unternehmen mit Aussicht auf Steuergeschenke angelockt haben, scheitern.



ZeeDizz
20.01.2026, 14:57

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

+2Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Pudie® hat geschrieben:

Hi,
Aufgrund immer wieder aufkommender Diskussionen und wilder Spekulationen meine Erfahrungen (und Zahlen) als "Scalper" und "Reseller".


Der Kauf und Verkauf neuer LEGO-Sets aus Gewinnabsicht

-Finanzamt
Ich kann aus Erfahrung berichten, daß der Verkauf von neuen LEGO-Sets auf den bekannten Plattformen früher oder später dem Finanzamt auffallen (oder gemeldet) wird.
Und wenn es erst mal soweit ist, kann es sehr sehr teuer werden.
Entweder kommen hohe Steuernachforderungen oder man muß in einen guten Steuer-Rechtsanwalt und eine gute Steuerberatung ähnliche Summen investieren. (In meinem Fall ca. 6000,- Euro)
Im schlimmsten Fall beides.
Das Finanzamt wird Eure gesamten Verkaufserlöse der letzten Jahre zunächst mal als Reingewinn unterstellen. Eure Einkaufskosten müßt Ihr dann nachweisen.
Die Verkaufsplattformen heben die Daten Jahrelang auf.
Es wird zu einer Steuernachforderung und einem Steuerstrafverfahren kommen.

Die Entscheidung, ob es nun Gewinnabsicht oder ein reines "Auflösen" einer Sammlung ist, trifft auf jeden Fall nicht der Verkäufer.
Bei hunderten Verkäufen von Neuware über mehrere Jahre stellt sich die Frage auch nicht mehr.

Durch die neue Gesetzgebung sind seit diesem Jahr die verschiedenen Verkaufsplattformen verpflichtet, ab einer gewissen Anzahl an Verkäufen (30) oder einem gewissen Umsatz (2000,- €) eine Meldung an die Finanzämter zu machen.

Über einen längeren Zeitraum und in größerer Anzahl Neuware im Internet zu verkaufen, ohne dies ordnungsgemäß dem Finanzamt zu melden, wird auf jeden Fall irgendwann zum Schuß in's eigene Knie.


-Eigene Erfahrungen als Reseller / Zahlen
Jetzt, hier und heute lasse ich mal die Hosen runter bzw. lege ich auch noch Zahlen auf den Tisch, was sich ja so einige Leute hier wünschen.
(Die Zahlen kennt auch mein Finanzamt, macht Euch also keine Sorgen um unseren Staat )

-Verkaufte neue Artikel bei Ebay im Jahr 2021 (Alles LEGO, alles "Sofortkauf"): 119
-EK-Preise der Sets: € 6.385,38
-Gewinn nach Abzug der Ebay- und Paypal-Gebühren : € 1.748,81
-Einkaufs- bzw. Erscheinungsjahre der Sets: 2013 - 2018
-Geschätzter zeitlicher Aufwand pro Set (Einkauf, Einlagern, Katalogisieren, Markt beobachten, als "Verkaufsreif" identifizieren, Fotografieren, bei Ebay einstellen, Fragen beantworten, Zahlung kontrollieren, Paketmarke kaufen und ausdrucken, Verpacken, zur Packstation bringen, Dokumentation fürs Finanzamt) 45 min

Das entspricht einem Zeitaufwand von knapp 90 Stunden und einem Stundenlohn von rund 19,60 Euro vor Steuern. (Den Steuersatz habe ich gerade nicht zur Hand)
Hier reden wir noch nicht von Sozial- oder sonstigen Versicherungen. Die habe ich durch meinen regulären Job !

Gerade der Zeitaufwand wird im allgemeinen völligst unterschätzt !
Man macht nicht mal eben mit einen Fingerschnipp aus 100,-€ das doppelte oder dreifache und das noch in's unendliche hochskaliert.
Aber egal, ist ja "Hobby" ...


Nicht gerechnet:
-Ärger und Aufwand mit "defekten" Lieferungen von LEGO, Amazon und etlichen anderen.
-Verpackungsmaterial (Druckerpapier und Tinte, Folientüten, Kartons, Füllung und Klebeband, manches aber nicht gekauft, sondern recycelt).
-Lager- und Verpackungsplatz im Keller.
-Internet- und Hardwarekosten.
-Fahrt- und Parkhauskosten für den Einkauf im Store (Frankfurt, 20 Km) und die Fahrten zur Packstation (4Km).
-Inflationsverlust.

Wirklich guten Gewinn brachten übrigens vor allem Sets wie das Detektivbüro 10246, die Brickbank 10251 und die alte Anglerhütte 21310. Das meiste hätte ohne Einkaufsrabatte von ca. 30% oder netten GWPs nur Verlust gebracht.
Meine Reklamationsrate bei den Käufern wardabei Null Prozent. Im Schnitt hatte ich fünf von fünf Punkten bei den Bewertungen für die Artikelbeschreibung, Geschwindigkeit und Kommunikation. Mit einigen Käufern habe ich auch heute noch netten Mailverkehr.

Ich persönlich sehe den Verkauf aber auch als Zeitvertreib und Spaß.
Außerdem bilde ich mir eine gewisse Expertise bei den Ansprüchen der Käufer und LEGO-Sets und ihrer Geschichte ein.

-Fazit (und Meinung):
Manche Medien bringen LEGO als Investitionsobjekt gerne mal als Sommerpausenfüller. Nur weil sehr wenige Sets der letzten Jahre ihren "Wert" um 300 - 400% gesteigert haben. Das ist aber genauso die Ausnahme, wie ein Lottogewinn.
Im Jahr 2010 kamen nur sehr wenige Leute auf die Idee, die damals normal erhältlichen Sets einzulagern, um sie mit Gewinn weiter zu verkaufen. Davor schon gar nicht.
Heute machen das subjektiv wahrgenommen Zehntausende. Damit steigt das Angebot, aber nicht unbedingt die Nachfrage.

Sucht mal bei eBay nach verkauften neuen Exemplaren des braunen Krokodils 10277 oder der Barracuda Bay 21322 (Beides schon seit geraumer Zeit EOL), zieht von den Preisen die 11% Provision ab, stellt Euch jetzt vor, ihr hättet je 10 Exemplare gekauft und eingelagert und rechnet zum Schluß noch die Inflation der letzten beiden Jahre mit ein.

Dazu kommt noch die extreme Schwemme an hochpreisigen Sets von LEGO der letzen paar Jahre. Hier das Set zu identifizieren, welches in den nächsten paar Jahren lohnend im Wert steigt, ist nahezu unmöglich.
Die Verpackungen erreichen dabei auch noch Gewichte und Größen, die fast schon Hubfahrzeuge erfordern. Schleppt mal die Titanic-Box eine enge Kellertreppe hinunter ....
.....und verpackt und versendet das Ding dann fünf Jahre später mal mit der DHL.

LEGO als Investment mag für den Hobbyhändler für ein paar Hundert Euro im Jahr gut sein, taugt aber nicht, um eine Familie mit zwei Kindern, Hund und Katze zu ernähren.
Und ein paar Hundert Euro sind ja auch noch legitim (Meines Wissens bis zu 600,-€ /Jahr).

Die erzielten Gewinne (Immerhin keine Verluste) rechtfertigen kaum den nötigen Aufwand und die Investitionen.
Salopp gesagt: Als Minijob Regale bei Aldi einräumen bringt mehr Verdienst mit weniger Risiko, Platz- und Zeitaufwand.

Ein "echter" Investor würde solche Zahlen nicht mal als Rundungsfehler bemerken.
Welches Lager und welche Lieferanten müßte man haben, um in Zahlenbereiche Hunderttausende oder Millionen von Euro zu kommen ?
Was, wenn es dann zu einem Einbruch, Hochwasser oder Feuer kommt ?


Meine Meinung, die ich gerne zur Diskussion stelle.
Sie soll kein Gejammer, sondern eine objektive Bilanz sein.
Mit der Bitte um respektvollen Umgang und seriösen Meinungen/Kommentaren

Gruß
Frank

Ich finde Franks Beitrag ziemlich erfrischend, weil da mal jemand wirklich Zahlen + Aufwand auf den Tisch legt und nicht nur “LEGO geht immer hoch!!!11”.



Ralf , JackAbfall gefällt das


Eisbär
24.01.2026, 14:51

Als Antwort auf den Beitrag von Pudie®

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Lieber Frank!

So, und was macht man nun?

Behalten? Das war ja die ursprüngliche ABSicht.

Zeitungsanzeige?

Nachricht hier im Forum: Kommt am Soundsovielten mit viel Platz im/am Auto zu mir/wem auch immer und kauft alles weg?

Flohmarkt? (Nachgemachtes Lego hab ich erstaunlich leicht verkauft, Duplo eher mässig.)

Die einzigen (laut meiner altergemässen Erinnerung) Sets, die ich zum Verkauf gekauft hatte, sind wegen Wasserschaden weg. Ganz weg, das Wasser war schmutzig.

Ich hab' ja nun das Problem, dass meine Erben nix von Lego wissen wollen, deren Kinder sind zwar noch im Legoalter, aber ewig weit weg. Tatterig (das Kriterium, einen Verkauf zu starten) erscheine ich mich.a selbst nicht, nur schwachsichtig.

Ganz und gar davon abgesehen, dass ich überhaupt nicht weiss, wo genau welche Sets denn sein könnten.

Und noch weniger, wieviel ich bezahlt hatte.

Unverkäufliche Grüsse
Mich.a

Wo is das SZ abgeblieben?



goldfing
25.01.2026, 19:09

Als Antwort auf den Beitrag von Thomas52xxx

Re: LEGO als Investment (Mit Zahlen und viel Text)

Thomas52xxx hat geschrieben:


Auch wenn es nicht so ganz passt, spontan musst ich an die Kurzgeschichte "Schokolade auf Reisen" von Ephraim Kishon denken. Irgendwann werden auch die MISB-Sets und die uralten originalverkorkten Weine geöffnet werden. Und sei es, weil jemand ganz dringend Essig benötigt.


War das die Geschichte, wo er in der Schweiz nach dem Verzehr einer Schokolade das schmutzige Papier loswerden will und daran gehindert wird, es in einem öffentlichen Abfallbehälter mit der Aufschrift "Haltet Zürich rein. Abfälle - hier!" zu entsorgen, weil der nicht schmutzig werden dürfe? :-)

[Heutzutage übrigens undenkbar; da ist auch hier nicht mehr viel von der ehemaligen pedantischen Pünktlichkeit und Sauberkeit zu sehen].

Ephraim Kishon war genial; wir haben als Kinder seine satirischen Bücher verschlungen.



Gesamter Thread: